Was ist der ADR-Screen?
Der ADR-Screen ist der „Wachstum zu einem angemessenen Preis"-Screen der AAII, der speziell für American Depositary Receipts (ADRs) entwickelt wurde — eine Möglichkeit, ausländische Unternehmen über Wertpapiere zu besitzen, die an US-Märkten gehandelt werden. Ein ADR ist ein handelbares Zertifikat, das von einer US-amerikanischen Geschäftsbank ausgegeben wird und Aktien eines nicht US-amerikanischen börsennotierten Unternehmens repräsentiert. Es wechselt an einer US-Börse oder außerbörslich den Besitzer, wird in US-Dollar notiert und zahlt seine Dividenden in Dollar. Diese Struktur erspart einem amerikanischen Anleger die Reibungsverluste des direkten Kaufs ausländischer Aktien: internationale Abwicklung, globale Verwahrung, ein ausländisches Maklerkonto, Währungsumrechnung und Mehrwährungsbuchhaltung. Bayer, Canon, Honda, Nokia und Sony wurden alle als ADRs gehandelt. Die meisten sind Mid- und Large-Cap-Werte — die breit gehaltenen, aktiv gehandelten ausländischen Titel, die sich für eine US-Notierung entschieden haben, um Kapital aufzunehmen und ihr Profil zu schärfen.
Die Grundidee
Der Screen sucht nach günstigem Wachstum und ergänzt dies um eine Momentum-Prüfung. Sein Bewertungsmotor ist das PEG-Verhältnis: das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) geteilt durch die historische Wachstumsrate des Gewinns je Aktie über fünf Jahre. Ein PEG nahe 1,0 ist ungefähr fair; darunter berechnet der Markt das gebotene Wachstum womöglich zu niedrig; darüber sind die Erwartungen dem vorausgeeilt, was das Unternehmen geliefert hat. Ein niedriges KGV allein ist kein Schnäppchen, wenn die Gewinne schrumpfen, weshalb die Verknüpfung von Kurs und Wachstum davor schützt, etwas aus gutem Grund Günstiges zu kaufen. Das ist die von Peter Lynch populär gemachte Disziplin „Wachstum zu einem angemessenen Preis" — für Wachstum zahlen, aber nicht zu viel.
Der Screen verwendet historisches Wachstum statt Analystenprognosen, und das aus einem praktischen Grund: Nur etwa ein Viertel der gelisteten ADRs verfügt über eine langfristige Gewinnschätzung, sodass ein zukunftsgerichtetes PEG den Kreis auf fast nichts schrumpfen ließe. Anschließend legt er die relative Kursstärke über 13 Wochen darüber und bevorzugt Titel, die der Markt bereits zu belohnen begonnen hat, gegenüber günstigen Aktien, die noch fallen.
Wonach der ADR-Screen sucht
- Nur American Depositary Receipts kommen infrage — das Universum beschränkt sich auf ausländische Unternehmen, die in den USA als ADRs gelistet sind.
- Ein PEG-Verhältnis — aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) geteilt durch die historische Wachstumsrate des Gewinns je Aktie über fünf Jahre — von höchstens 1,0 und nicht weniger als 0,2. Die Obergrenze entfernt teure Aktien; die Untergrenze von 0,2 verwirft verzerrte Werte, die durch außergewöhnliche KGV- oder Wachstumszahlen entstehen.
- Ein Ranking der relativen Kursstärke über 13 Wochen in den oberen 50 % der gesamten Datenbank — eine jüngere Kursentwicklung, die mindestens der Hälfte aller Aktien voraus ist.
- Ein prozentualer Rang der relativen Kursstärke über 13 Wochen auf oder über dem Median der 13-Wochen-Werte der Branche des Unternehmens — die eigene Vergleichsgruppe schlagen, nicht nur die durchschnittliche Aktie.
Warum es funktionieren kann
Das dauerhafte Argument ist hier die Diversifikation. ADRs öffnen die Tür zu Volkswirtschaften und Branchen, die von anderen Treibern angetrieben werden als der US-Markt, und dies über ein in den USA notiertes, auf Dollar lautendes Wertpapier zu tun, hält die Mechanik einfach. Der GARP-Filter zielt darauf ab, dieses Exposure ohne Überzahlung zu erfassen — als Gruppe weisen die Aktien, die den Screen bestehen, tendenziell Kurs-Gewinn-Verhältnisse leicht unterhalb des Gesamtmarkts auf. Die Anforderung an die relative Stärke hilft beim Timing und lenkt hin zu ausländischen Titeln, die bereits outperformen, statt zu Value-Werten, die der Markt noch ignoriert. Die Diversifikation ist am stärksten in verbrauchernahen Bereichen — langlebige Konsumgüter, Immobilien, Getränke, Unternehmensdienstleistungen —, deren Geschick eher dem Heimatland als globalen Trends folgt.
Was zu beachten ist
Ein ADR bildet die Aktien seines Heimatmarkts eng ab und trägt zusätzlich zum Unternehmensrisiko ein Währungsrisiko. Wenn der Dollar gegenüber der Landeswährung aufwertet, behält ein auf Dollar setzender Anleger weniger von der Rendite als ein lokaler, was die ADR-Ergebnisse volatiler macht. Die Daten haben Eigenheiten, die man beachten sollte: Die Kennzahlen je Aktie hängen vom Umrechnungsverhältnis ab — wie viele zugrunde liegende Aktien ein ADR repräsentiert, manchmal zehn zu eins —, sodass Kursverhältnisse in die Irre führen können, wenn die Berichtsbasis unklar ist. Ausländische Firmen reichen 20-F statt 10-K ein, und einige berichten nur halbjährlich, sodass die Finanzdaten hinterherhinken können. Ein auf historischem Wachstum beruhendes PEG wird zudem leicht durch ein Basisjahr nahe null verzerrt. Und die Diversifikation verdünnt sich in globalen Rohstoffbranchen — Bergbau, Öl, Chemie, Maschinen, Banken —, wo ein ausländischer Produzent denselben weltweiten Kräften unterliegt wie sein US-Pendant. Ein niedriges PEG markiert einen Kandidaten; es erklärt nie, warum die Aktie günstig ist.
Quellen
One Up on Wall Street, Peter Lynch mit John Rothchild, Simon & Schuster, 1989 — die populäre Referenz für das PEG-Verhältnis und den „Wachstum zu einem angemessenen Preis"-Ansatz, den der Screen anwendet.
American Association of Individual Investors (AAII) — Screen-Definition und Kommentar aus Stock Investor Pro.