Wer ist Jim O'Shaughnessy, und was ist der O'Shaughnessy Growth Market Leaders Screen?
James O'Shaughnessy ist der quantitative Vermögensverwalter, der „What Works on Wall Street" (1996) schrieb und später O'Shaughnessy Asset Management gründete. Der O'Shaughnessy Growth Market Leaders Screen erscheint in seinem Buch „Predicting the Markets of Tomorrow" von 2006 und verbindet nach seiner eigenen Beschreibung die Large-Cap-Value-Ideen und die Growth-und-Momentum-Ideen, die er ein Jahrzehnt zuvor getestet hatte. Er arbeitet auf seinem „Market Leaders"-Universum — einer Gruppe großer, finanziell substanzstarker Unternehmen, die er erstmals in „What Works on Wall Street" definierte — und schließt mit einem harten Momentum-Ranking, das nur zehn Werte behält.
Die Grundidee
Der Screen baut sich in zwei Stufen auf. Zuerst definiert er einen Marktführer: ein US-amerikanisches Unternehmen außerhalb des Versorgersektors, größer als die Durchschnittsaktie, mit mehr ausstehenden Aktien als der Durchschnitt, einem überdurchschnittlichen Cashflow je Aktie und einem Umsatz von mindestens dem 1,5-Fachen des Datenbankdurchschnitts. Diese Basis ist bewusst anspruchsvoll — sie isoliert etablierte Unternehmen mit der Größe und der Cash-Generierung, um einen Abschwung zu überstehen. Zweitens will der Screen unter diesen Marktführern Aktien, die noch angemessen bewertet sind und sich bewegen. Er begrenzt das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf den Durchschnitt der Market-Leaders-Gruppe, verlangt, dass der Gewinn je Aktie im vergangenen Jahr tatsächlich gewachsen ist, und ordnet dann das Verbleibende nach der Einjahres-Kursstärke, wobei er die zehn stärksten kauft. Größe und Qualität decken den Tisch; Value bewahrt vor Überzahlung; das Momentum trifft die endgültige Entscheidung.
Wonach der O'Shaughnessy Growth Market Leaders Screen sucht
- Nicht-US-Unternehmen, Aktien des Versorgersektors und außerbörslich gehandelte Aktien sind allesamt ausgeschlossen.
- Eine Marktkapitalisierung im jüngsten Geschäftsquartal, die über dem Datenbankdurchschnitt liegt.
- Eine durchschnittliche Zahl ausstehender Aktien im jüngsten Quartal über dem Datenbankdurchschnitt.
- Ein Cashflow je Aktie über die letzten 12 Monate über dem Datenbankdurchschnitt.
- Ein Umsatz über die letzten 12 Monate von mindestens dem 1,5-Fachen des Datenbankdurchschnitts.
- Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis unter dem durchschnittlichen Kurs-Umsatz-Verhältnis der Market-Leaders-Gruppe.
- Ein positives Wachstum des Gewinns je Aktie über die letzten 12 Monate.
- Das endgültige Portfolio bilden die 10 Unternehmen mit der höchsten relativen Stärke über 52 Wochen.
Warum der O'Shaughnessy Growth Market Leaders Screen funktionieren kann
O'Shaughnessys Forschung wies auf zwei Faktoren hin, die standhielten, wo andere versagten: ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis, das über jede Unternehmensgröße hinweg funktionierte, und die relative Stärke, eines der wirksamsten Einzelsignale, die er testete. Sie zu kombinieren, war der Sinn der Sache — ein Value-Tor senkt das Risiko, für eine heiße Aktie zu viel zu zahlen, während die Kursstärke bestätigt, dass der Markt den Wert bereits erkannt hat. Das Feld auf Marktführer zu beschränken, fügt eine dritte Sicherheitsschicht hinzu, da große, cash-reiche Firmen die Ressourcen zur Erholung haben, die einem strauchelnden kleinen Unternehmen fehlen. Er beobachtete außerdem, dass Unternehmen mit den größten Einjahres-Kursgewinnen dazu neigten, im Folgejahr weiter zu führen — genau das soll der Momentum-Abschluss mit zehn Aktien einfangen.
Was man beachten sollte
Zehn Aktien sind ein sehr konzentriertes Portfolio, und ein einzelner Einbruch trifft hart, wenn er ein Zehntel deines Geldes ist. Die relative Stärke schneidet in beide Richtungen: Derselbe Filter, der die Gewinner des Vorjahres kauft, kann dich auf einem Hoch einsteigen lassen, und das Momentum dreht scharf. Eine Large-Cap-Neigung bleibt zudem in den Phasen zurück, in denen Small Caps führen, was nach O'Shaughnessys eigenem 20-Jahres-Rahmen jahrelang anhalten kann. Eine praktische Feinheit: Die Kurs-Umsatz-Obergrenze ist als der eigene Durchschnitt der Market Leaders definiert, sodass sie bei jeder erneuten Ausführung des Screens driftet, statt bei einer festen Zahl zu verharren. Behandle das Ergebnis als zehn zu untersuchende Kandidaten, nicht als ein Portfolio, das man blind kauft.
Quellen
Predicting the Markets of Tomorrow: A Contrarian Investment Strategy for the Next Twenty Years, James P. O'Shaughnessy, Portfolio, 2006.
American Association of Individual Investors (AAII) — Screening-Definition aus Stock Investor Pro.