Wer hat den Kurs-Umsatz-Screener populär gemacht?
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis wurde von Kenneth Fisher in seinem 1984 erschienenen Buch Super Stocks populär gemacht. Fisher — Gründer von Fisher Investments und über drei Jahrzehnte lang Kolumnist für Forbes — argumentierte, der Umsatz sei die stabilste Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung und daher eine solidere Bewertungsgrundlage als der Gewinn. Der auf dieser Erkenntnis aufbauende Kurs-Umsatz-Screener teilt den Marktwert eines Unternehmens durch seinen Umsatz (gleichbedeutend den Kurs je Aktie durch den Umsatz je Aktie der letzten zwölf Monate) und sucht nach Aktien, die auf dieser Kennzahl günstig gehandelt werden. Spätere Forschung untermauerte Fishers These und fand, dass niedrige Kurs-Umsatz-Verhältnisse unterbewertete Aktien mindestens ebenso gut aufspüren konnten wie niedrige Kurs-Buchwert- oder niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse.
Die Grundidee
Jede Bewertungskennzahl teilt den Kurs durch irgendein Maß des Unternehmenswerts — Gewinn, Buchwert, Cashflow, Umsatz. Der Umsatz steht ganz oben in der Gewinn- und Verlustrechnung, vor der langen Kette von Annahmen, die den ausgewiesenen Gewinn formt: Abschreibungspläne, Vorratsbewertungsmethoden, Rückstellungen, Einmalaufwendungen. Das macht den Umsatz sowohl stabiler als auch über Unternehmen hinweg vergleichbarer als den Gewinn. Der praktische Nutzen zeigt sich, wenn die Gewinne verschwinden. Ein Unternehmen, das ein teures neues Produkt einführt oder in einem zyklischen Tief steckt, kann negative Gewinne ausweisen, die das KGV bedeutungslos machen — ein KGV braucht positive Gewinne, um überhaupt zu existieren. Umsätze werden selten negativ. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis funktioniert gerade dann weiter, wenn die gewinnbasierte Bewertung zusammenbricht, was oft der Moment ist, in dem eine gebeutelte Aktie am interessantesten ist. Ein niedriges Verhältnis signalisiert ein Unternehmen, das der Markt womöglich auf Scheitern bewertet, während seine Umsatzbasis intakt bleibt.
Wonach der Kurs-Umsatz-Screener sucht
- Schließt außerbörslich (OTC) gehandelte Aktien aus.
- Schließt den Finanzsektor und die Branche der Immobilienbewirtschaftung aus, wo der Umsatz nicht der Haupttreiber des Werts ist.
- Ein aktuelles Kurs-Umsatz-Verhältnis unter dem eigenen durchschnittlichen Kurs-Umsatz-Verhältnis des Unternehmens der letzten fünf Jahre.
- Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis unter dem Median der Branche des Unternehmens.
- Ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum über fünf Jahre über dem Branchenmedian — günstig, aber dennoch schneller wachsend als die Wettbewerber.
- Ein Verhältnis der Gesamtverbindlichkeiten zu den Vermögenswerten unter dem Branchenmedian zum jüngsten Geschäftsquartal (Q1), eine Verschuldungsprüfung, die fragile Bilanzen aussiebt.
- Eine relative 52-Wochen-Kursstärke über dem Branchenmedian, ein Zeichen, dass der Markt allmählich aufmerksam werden könnte.
- Eine Marktkapitalisierung von mindestens 50 Millionen US-Dollar zum jüngsten Geschäftsquartal (Q1).
Warum der Kurs-Umsatz-Screener funktionieren kann
Der Screener ist bewusst mehr als ein Filter für niedrige Kennzahlen, denn ein bloßer Filter auf ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis lässt sich leicht austricksen und fördert meist die falschen Aktien zutage. Zwei Tests trennen ein Schnäppchen von einer Wertfalle. Erstens das Wachstum: Ein günstiges Kurs-Umsatz-Verhältnis signalisiert nur dann eine Chance, wenn das Geschäft tatsächlich expandiert, weshalb der Screener ein Umsatzwachstum über dem Branchenmedian verlangt — das Profil eines wachsenden Unternehmens, das gestolpert ist oder übersehen wurde, nicht eines im endgültigen Niedergang. Zweitens die relative Stärke: Value-Aktien können jahrelang günstig bleiben, sodass die Forderung nach einer Kursstärke über dem Branchenmedian zu Titeln neigt, die der Markt bereits neu zu bewerten beginnt. Die Verschuldungsobergrenze schützt die Abwärtsseite, indem sie die überschuldeten Firmen herausfiltert, die ein Value-Screener gern zutage fördert. Fishers ursprüngliche Behauptung — dass eine umsatzbasierte Bewertung unterbewertete Unternehmen früher erfasst als eine gewinnbasierte — beruht darauf, dass Umsätze weniger heftig auf vorübergehende Schwierigkeiten reagieren als Gewinne.
Was zu beachten ist
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis hat einen blinden Fleck, der alle anderen in den Schatten stellt: Es ignoriert die Rentabilität vollständig. Ein Dollar Umsatz bei einem Supermarkt mit Zwei-Cent-Margen ist weit weniger wert als ein Dollar Umsatz bei einem Softwareunternehmen mit dreißig, und doch behandelt ein naiver Kurs-Umsatz-Filter sie gleich — weshalb Branchen mit niedriger Marge wie Lebensmittelhändler und Stahlkocher jede ungefilterte Liste mit niedrigem Kurs-Umsatz-Verhältnis beherrschen. Umsatz, den man nicht in Gewinn verwandeln kann, ist nicht viel wert. Deshalb muss die Kennzahl mit Qualitätsprüfungen gepaart werden. Dieser Screener stützt sich auf seine Vergleiche mit dem Branchenmedian sowie auf seine Tests zu Umsatzwachstum und Verschuldung, um einen Teil dieser Arbeit zu leisten, doch die Last liegt weiterhin bei dir, zu bestätigen, dass das Unternehmen den Umsatz letztlich in Gewinn verwandeln kann. Beurteile die Kennzahl innerhalb ihrer Branche, nie über den gesamten Markt hinweg, und frage stets, welche Marge die Umsätze tragen.
Quellen
Super Stocks, Kenneth L. Fisher, Dow Jones-Irwin, 1984.
American Association of Individual Investors (AAII) — Screener-Definition und Kommentar in Stock Investor Pro.