Was ist der Insider-Net-Purchases-Screen?
Der Insider-Net-Purchases-Screen ist eine regelbasierte Strategie ohne einzelnen Urheber. Statt der Philosophie eines einzelnen Investors zu folgen, liest er eine öffentliche Datenspur: die Käufe und Verkäufe am offenen Markt, die Unternehmensinsider der Securities and Exchange Commission auf dem Formular 4 (Form 4) melden müssen. Der Securities Exchange Act von 1934 definiert einen Insider als leitenden Angestellten, ein Verwaltungsratsmitglied oder jede Person, die 10 % oder mehr der Aktien eines Unternehmens hält — die Personen mit dem engsten Blick auf das Geschäft. Wenn mehr von ihnen Aktien kaufen als verkaufen, markiert der Insider-Net-Purchases-Screen das Unternehmen für eine genauere Prüfung.
Die Grundidee
Nettokäufe sind schlichte Arithmetik: von Insidern gekaufte Aktien minus von ihnen verkaufte Aktien über einen festgelegten Zeitraum, hier die letzten sechs Monate. Eine positive Zahl bedeutet, dass die Insider als Gruppe Nettokäufer waren. Das Signal beruht auf einer Asymmetrie. Insider verkaufen aus Gründen, die nichts über das Unternehmen aussagen — eine Steuerrechnung, eine Scheidung, ein Zweitwohnsitz oder schlicht Diversifikation nach Jahren der Bezahlung in Aktien. Sie kaufen im Wesentlichen aus einem Grund: Sie halten die Aktien für mehr wert als den Preis. Eine Führungskraft, die eigenes Geld zum vollen Marktpreis in Aktien steckt, geht eine kostspieligere, aussagekräftigere Wette ein als jemand, der zu einem Abschlag gewährte Optionen ausübt. Der Screen wägt auch die Breite ab. Ein einzelner kaufender Insider kann ein Einzelfall sein; drei oder mehr, die innerhalb derselben sechs Monate kaufen, lassen sich schwerer abtun.
Wonach der Insider-Net-Purchases-Screen sucht
- Marktkapitalisierung des jüngsten Geschäftsquartals zwischen 50 Millionen und 1 Milliarde US-Dollar — bewusst klein, wo Insidersignale tendenziell mehr Gewicht haben.
- Over-the-Counter-(OTC-)gehandelte Unternehmen werden ausgeschlossen.
- Unternehmen aus den Branchen sonstige Finanzdienstleistungen und Immobilienbetrieb werden ausgeschlossen, wodurch geschlossene Fonds und REITs entfallen.
- Mindestens drei verschiedene Insider haben in den letzten sechs Monaten Aktien gekauft.
- Die Nettozahl gekaufter Aktien — gekaufte minus von Insidern verkaufte Aktien — über die letzten sechs Monate ist größer als null.
- Insider platzierten in denselben sechs Monaten mehr Kauf- als Verkaufsorders.
- Die Nettozahl der in den letzten sechs Monaten gekauften Aktien entspricht mehr als 2 % der gesamten ausstehenden Aktien.
- Die Prozentschwelle wird so verschärft, dass nur 30 Unternehmen auf der endgültigen Liste verbleiben.
Warum es funktionieren kann
Die Beweislage ist mehr als Intuition. Eine Untersuchung über die zehn Jahre bis 1996 ergab, dass aus Insider-Kauftransaktionen zusammengestellte Portfolios, die auf rollierender Zwölfmonatsbasis neu aufgebaut wurden, den Markt um mehr als 7 % pro Jahr schlugen. Zwei Details schärfen den Punkt. Rund zwei Drittel dieser Überrendite stellten sich erst ein, nachdem seit der Transaktion 30 Tage vergangen waren, sodass die Verzögerung zwischen dem Kauf eines Insiders und seiner öffentlichen Meldung Außenstehende nicht ausschließt. Und der Effekt war bei kleineren Unternehmen am stärksten — Insiderkäufe bei Small- und Mid-Cap-Firmen übertrafen Insiderkäufe bei Large Caps. Das ist die Logik hinter der Begrenzung des Marktwerts auf 1 Milliarde US-Dollar. Ein Kauf durch eine Führungskraft bei einem wenig beachteten Unternehmen mit 300 Millionen US-Dollar trägt mehr Information als dieselben Dollar, die bei einem Unternehmen ausgegeben werden, das ohnehin jeder Analyst verfolgt.
Was zu beachten ist
Zwei Einschränkungen verdienen echtes Gewicht. Insider sind früh dran. Die Outperformance in jenen Studien zeigte sich etwa einen Monat nach der Transaktion, nicht am Tag der Meldung, und manchmal belohnt die Aktie sie überhaupt nie — beim Geschäft recht zu haben und beim Zeitpunkt recht zu haben sind zweierlei. Erhebliche Insiderkäufe deuten auf langfristigen Wert hin, nicht auf einen schnellen Zug. Zweitens ist legales, gemeldetes Kaufen keine Gewissheit. Führungskräfte müssen mitunter Aktien halten, und kreditfinanzierte Kaufprogramme können den Namen eines Insiders ohne großes persönliches Risiko auf die Kaufseite setzen. Der Screen ist zudem konstruktionsbedingt konzentriert: 30 Small-Cap-Titel, dünnerer Handel, schärfere Kursausschläge. Er ignoriert Insiderverkäufe vollständig, und das aus gutem Grund — Verkaufsdaten haben wenig Vorhersagekraft gezeigt, während bei den Käufen das Signal liegt.
Quellen
Meldepflichten für Insider: der Securities Exchange Act von 1934 und die SEC-Formulare 3, 4 und 5.
American Association of Individual Investors (AAII) — Definition und Kommentar des Stock-Investor-Pro-Screens.