Wer ist Phil Town und was ist der Rule #1 Investing Screener?
Der Rule #1 Investing Screener ist von Phil Towns 2006 erschienenem Buch „Rule #1" (Crown Publishers) abgeleitet. Der Titel stammt aus Warren Buffetts Satz, dass das Investieren nur zwei Regeln kenne: Regel Nr. 1 ist, kein Geld zu verlieren, und Regel Nr. 2 ist, Regel Nr. 1 nicht zu vergessen. Town ist ein ehemaliger Green Beret, der zum Flussführer wurde; er erzählt, ein Kunde habe ihn auf einer seiner Touren ins Value-Investing eingeführt, und dass er damit in fünf Jahren aus 1.000 Dollar 1 Million Dollar gemacht habe. Sein Versprechen ist, dass ein Privatanleger den Markt in etwa 15 Minuten pro Woche schlagen kann, indem er ein „wunderbares Geschäft" zu einem attraktiven Preis kauft. Der Screener versieht diese Idee mit Zahlen.
Die Four Ms
Town beurteilt ein Geschäft anhand von vier Tests, die er die Four Ms (die vier M) nennt. Meaning (Bedeutung) fragt, ob du das Unternehmen verstehst und es gern langfristig besitzen würdest — er schlägt vor, mit Geschäften zu beginnen, die mit deiner Arbeit oder deinen Interessen zu tun haben. Moat (Burggraben) ist ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der Rivalen abwehrt und künftige Ergebnisse leichter vorhersagbar macht; je breiter und verteidigungsfähiger der Burggraben, desto sicherer das Geschäft. Management (Führung) dreht sich um eigentümerorientierte Führungskräfte, die gegenüber den Aktionären offen darüber sind, was schieflief, nicht nur, was gelang. Margin of safety (Sicherheitsmarge) ist die Disziplin, weit unter dem zu zahlen, was das Geschäft wert ist, damit selbst eine falsche Einschätzung der ersten drei M dich nicht zwangsläufig Geld kostet. Die ersten drei finden ein großartiges Unternehmen; das vierte besteht darauf, es günstig zu kaufen.
Die Big-Five-Zahlen und der Richtpreis
Town misst Burggraben und Management mit fünf Kennzahlen, die er die Big Five nennt: die Kapitalrendite auf das investierte Kapital (ROIC) plus die Wachstumsraten des Eigenkapitals (Buchwert), des Umsatzes, des Gewinns je Aktie und des freien Cashflows. Er betrachtet den ROIC — den operativen Gewinn nach Steuern im Verhältnis zu Schulden plus Eigenkapital — als am wichtigsten, denn eine hohe Rendite auf das Geld, das ein Geschäft in sich selbst reinvestiert, signalisiert, dass das Management für seine Eigentümer arbeitet. Idealerweise will Town, dass jede der Big Five zehn Jahre lang mit 10 % oder mehr pro Jahr läuft; weil die meisten Datendienste nur fünf Jahre zurückreichen, verwendet dieser Screener ein Fünfjahresfenster.
In der Sicherheitsmarge findet die Preisbildung statt. Town schätzt den „Richtpreis" (sticker price) eines Unternehmens — seinen fairen Wert — aus vier Eingaben: dem aktuellen Gewinn je Aktie, einer konservativen Wachstumsrate (dem niedrigeren Wert aus historischem Eigenkapitalwachstum und Analystenprognose), einem geschätzten künftigen Kurs-Gewinn-Verhältnis und einer geforderten Jahresrendite von 15 %. Er projiziert die Gewinne zehn Jahre voraus, wendet das künftige KGV an und diskontiert dann mit 15 % zurück, um den Richtpreis zu erreichen. Der Preis mit Sicherheitsmarge ist schlicht die Hälfte davon. Mit anderen Worten: Er will einen Dollar Wert für nicht mehr als fünfzig Cent kaufen — reine Graham-Logik, angewandt auf Unternehmen, die zudem eine hohe Hürde für Wachstum und Renditen genommen haben.
Wonach der Rule #1 Investing Screener sucht
- Eine durchschnittliche Kapitalrendite auf das investierte Kapital über die letzten fünf Jahre von mindestens 10 %.
- Ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Eigenkapitals (Buchwert) über die letzten fünf Jahre von mindestens 10 %.
- Ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Gewinns je Aktie aus fortgeführten Geschäftsbereichen über die letzten fünf Jahre von mindestens 10 %.
- Ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum über die letzten fünf Jahre von mindestens 10 %.
- Ein durchschnittliches jährliches Wachstum des freien Cashflows über die letzten fünf Jahre von mindestens 10 %.
- Aktuelle langfristige Schulden je Aktie von höchstens dem Dreifachen des aktuellen jährlichen freien Cashflows je Aktie — ein Unternehmen, das seine langfristigen Schulden in etwa drei Jahren tilgen könnte.
- Ein aktueller Aktienkurs von höchstens 50 % des geschätzten Richtpreises, der Sicherheitsmargen-Test.
- Nur Unternehmen, die an der New Yorker, der American oder der NASDAQ-Börse notiert sind; ausländische Unternehmen, die als ADRs gehandelt werden, sind ausgeschlossen.
Was zu beachten ist
Die Richtpreis-Rechnung ist nur so verlässlich wie ihre Eingaben. Der faire Wert schwankt stark mit der angenommenen Wachstumsrate und dem künftigen KGV, sodass „die Hälfte des Richtpreises" dich nur schützt, wenn dieser Richtpreis ehrlich ist — ein Abschlag von 50 % auf eine überhöhte Schätzung ist gar kein Abschlag. Der gesamte Satz an Hürden ist anspruchsvoll: 10 % Wachstum über fünf verschiedene Kennzahlen, geringe Schulden und ein Einstieg zum halben Preis fallen selten zugleich zusammen, sodass der Screener tendenziell wenige Titel durchlässt und zu kleineren, schneller wachsenden Unternehmen neigt. Towns Schlagzeilenbehauptungen — die Leichtigkeit von 15 Minuten pro Woche und die tausendfache Rendite — sind selbst berichtet und verdienen eine gesunde Portion Skepsis. Nutze den Screener, um Kandidaten zu finden, und leiste dann die Arbeit, die die Four Ms tatsächlich verlangen.
Quellen
Rule #1: The Simple Strategy for Successful Investing in Only 15 Minutes a Week, Phil Town, Crown Publishers, 2006.
American Association of Individual Investors (AAII) — Screener-Definition und Kommentar in Stock Investor Pro.